Anwenderprojekt E-Wald soll eine GmbH werden

Wirtschafts- und Innenministerium wollen sich auf projektbezogene Finanzierung einigen

Viechtacher Bayerwald am 15.Mai 2012Foto: Bircheneder, PNP

München. Nach dem Wirbel um die mögliche Beerdigung des Projekts E-Wald wollen sich Wirtschafts- und Innenministerium nun über die konkrete Finanzierung in den sechs beteiligten Landkreisen einigen. Die PNP hat Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) dazu befragt.

Ist das Projekt E-Wald auf Kurs?

Helmut Brunner: Ja, davon gehe ich aus, nachdem ich mit Minister Martin Zeil vergangene Woche noch mal persönlich darüber gesprochen habe. Die Irritationen sind beigelegt. Man hat sich auch geeinigt, wie E-Wald organisatorisch weitergeführt werden soll - die beiden Ministerien, Wirtschaft und Innen, haben sich verständigt. Es wird wohl eine GmbH geben.

Wie sehen Sie E-Wald im Vergleich zu den beiden anderen E-Mobilitätsprojekten in Bayern?

Brunner: Ich sehe das nicht als Konkurrenz. Wir haben ja beschlossen, drei Projekte gleichzeitig und nebeneinander laufen zu lassen und dafür 30 Millionen Euro bereitgestellt. Anders als die beiden anderen Projekte, die sich jeweils auf die Kommunen Bad Neustadt und Garmisch konzentrieren, erstreckt sich E-Wald ja über sechs Landkreise und ist damit das einzige Flächenprojekt. Bei E-Wald spielen die Topografie und die verschiedenen Jahreszeiten eine große Rolle, es ist ein Anwenderprojekt. Über den konkreten Stand gerade auch der beiden anderen Projekte wird Wirtschaftsminister Zeil - auch auf meine Bitte hin - morgen im Kabinett einen Bericht abgeben. Was man jetzt schon sagen kann: Die anderen beiden Projekte laufen offensichtlich geräuschloser.

Denken Sie, dass E-Wald mehr Geld zusteht als den beiden anderen Projekten?

Brunner: Ich meine, dass man schon differenzieren muss, auf welchen Umfang ein solches Projekt angelegt ist. Wenn sechs Landkreise betroffen sind, dann liegt es auf der Hand, dass es Geld kostet, Versorgungsnetz und Fahrzeuge flächendeckend bereitzustellen. Da bitte ich also schon, nicht einfach eine Drittelung der Fördergelder vorzunehmen, sondern, dass man anlass- und projektbezogen die Finanzierung sicherstellt. Es muss angemessen sein. Bei einer Drittelung könnte man für E-Wald effektiv nur neun Millionen Euro bereitstellen, weil alleine die Projektbetreuung schon eine Million Euro kostet.

Was bedeutet für Sie angemessen?

Brunner: Ich möchte zuerst wissen, wie die derzeitigen Fakten sind. Dann muss man den nächsten Schritt tun. Mehr Geld für E-Wald muss ja nicht zwangsläufig bedeuten, dass wir den anderen beiden Projekten Geld streitig machen müssen - der Finanzminister könnte ja auch insgesamt mehr Geld zur Verfügung stellen. Wir werden morgen mal darüber reden müssen. Es muss auf jeden Fall so viel Geld bereitgestellt werden, dass am Ende positive Ergebnisse und praxisreife Erkenntnisse erzielt werden können. Die Aussagekraft des Projekts darf nicht durch Geldmangel in Mitleidenschaft gezogen werden.

In der Vergangenheit gab es viel Streit um E-Wald. Vor allem Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) wurde aus Ostbayern heraus mehrmals ins Visier genommen. Zuletzt ruderte man allerdings zurück. Sie auch?

Brunner: Es geht nicht nur darum, dass alle an einem Strang ziehen, sondern dass sie auch in die gleiche Richtung ziehen. Diesen Eindruck habe ich, nicht zuletzt nach dem Gespräch mit Minister Zeil vergangene Woche. Es ist ihm daran gelegen, dass E-Wald ein Erfolg wird. Vielleicht sind die Misstöne entstanden, weil es im zwischenmenschlichen Bereich da wie dort Probleme gab - ich würde nicht behaupten, dass von Seiten des Projektträgers von Anfang an alles immer zu 100 Prozent abgewogen war, dass die Bereitschaft zu Flexibilität im Konzept vorhanden war. Entscheidend ist, dass die Hochschule Deggendorf jetzt weiß, welche Hausaufgaben sie zu erledigen hat und sich alle auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt haben. Ich bin jedenfalls sehr zuversichtlich.

Interview:
Alexander Kain


Landtag macht Druck

Debatte im Wirtschaftsausschuss über E-Mobilitätsprojekt

Viechtacher Bayerwald-Bote am 13. Mai 2012

München. Der Wirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags hat sich gestern auf Antrag der freien Wähler (FW) mit dem Elek-tromobilitätsprojekt E-Wald befasst. Der FW-Abgeordnete Alexander Muthmann beklagte „Lücken und Indizien für unkoordiniertes Verfahren und Vorgehen“ seitens der Staatsregierung, der SPD-Abgeordnete Bernhard Roos sprach von „miserablem Regierungshandeln“ und „Bürokratismus pur“.
Nach Aussage des Ausschussvorsitzenden Erwin Huber (CSU) seien die angesprochenen Probleme (die PNP berichtete) bei E-Wald jedoch zwischenzeitlich bereinigt. Einstimmig beschloss der Wirtschaftsausschuss, dass die Staatsregierung den aktuellen Sachstand zu E-Wald und den übrigen E-Mobilitätsprojekten vorzutragen habe. Außerdem plant man eine eigene Anhörung zu den E-Projekten beziehungsweise einen Besuch des Ausschusses in Teisnach, um sich selbst ein Bild zu machen.

Ab sofort kann Strom "getankt" werden

Drei Ladesäulen zieren in Zukunft den Parkplatz vor dem Chamer Technologie-CampusProfessor Dr.Peter Sperber (Dritter von rechts) und Chams stellvertretende Bürgermeisterin Christa Strohmeier-Heller (rechts) stellten am gestrigen Mittwoch die Ladestation vor dem Technologie-Campus vor. Mit im Bild: Sigrid Stebe-Hoffmann, Geschäftsleitende Beamtin der Stadt Cham, Liegenschaftssachbearbeiter Christan Bauer vom Landratsamt, Franz Reimer, Koordinator von E-Wald sowie stellvertretender Kreiskämmerer Alois Schneck (von rechts).

Cham. (jok) "Wir sind stolz darauf,  dass wir eine Vorreiterrolle übernehmen dürfen." Mit diesen Worten hat die stellvertretend Bürgermeisterin Christa Stromeier-Heller am Mittwoch die erste Ladestation für Elektrofahrzeuge in Cham vorgestellt. Ab sofort stehen drei Ladesäulen vor dem Technologie-Campus zum "Betanken" zur Verfügung.

Trotz zwischenzeitlicher Verzögerung kann das Projekt "E-Wald" mit dieser Ladestation ein erstes Erfolgserlebnis verzeichnen. "Wir sind der Stadt Cham für ihre tatkräftige Unterstützung sehr dankbar. Es hat alles gut funktioniert", sagte Professor Dr. Peter Sperber. Er sei  zudem stolz darauf, dass die Ladestation noch im ersten Projektteil von "E-Wald" gefördert worden sei.

"Die drei Ladesäulen, die einen Gegenwert von etwa 15.000 € haben, besitzen jeweils Steckdosen mit 220 und 380 Volt", erklärte Sperber. Damit könnte man neben Elektroautos auch beispielsweise auch E-Roller oder E-Fahrräder aufladen. Die erste Testphase des Vorzeigeprojektes, deren Ende eigentlich für Ende 2011 geplant war, läuft laut Sperber noch bis zum 31.Mai. "Wir wollten die Fahrzeuge auch im Winter testen. Deshalb haben wir die Autos auch nachts bei Minustemperaturen im Freien gelassen", erläuterte Sperber. Seien der Förderbescheid für die zweite Phase einmal ausgestellt und die Verträge verlängert, würden sechs Landkreise mit 132 Ladesäulen ausgestattet.

"Wenn alles optimal läuft, entwickelt sich der Bayerische Wald zur größten Modellregion für Elektromobilität in Bayern", so Sperber.

"Die Stadt Cham freut sich sehr über diesen ersten Schritt hin zur Modellregion", sagte Stromeier-Heller, die gleich weitere mögliche Standorte ins Auge fasste. "Die Elektromobilität ist auch ein Anliegen des Landkreises und eine tolle Sache", betonte stellvertretender Kreiskämmerer Alois Schneck.

E-Wald kooperiert mit Österreich

Zusammenarbeit soll exaktere Erkenntnisse zur E-Mobilität liefern

Viechtacher Bayerwald-Bote am 11.Mai 2012

Teisnach. Österreich und Bayern wollen auf dem Gebiet der Elektromobilität in Zukunft enger zusammen arbeiten. Die Verantwortlichen des E-Wald-Projekts und des Forschungsprojekts „eMORAIL“, eine Initiative der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB), haben am Dienstag eine umfassende Absichtserklärung zur zukünftigen Zusammenarbeit unterzeichnet.
„Die Kooperation ist ein erster wichtiger Schritt, um Informationen und Daten auch aus anderen, jedoch durchaus vergleichbaren Regionen zu erhalten und so die Wissensbasis zu vertiefen“, freute sich Nicole Stroj, Projektleiterin von „eMORAIL“. „Nach ersten Gesprächen hat sich herausgestellt, dass auch auf der technischen Schiene vielversprechende Ansätze für gemeinschaftliches Handeln zu sehen sind“, ergänzte E-Wald-Projektleiter Klaus Mairhöfer.
Neben der technischen Kooperation erwarten sich die beiden Projektleiter vor allem durch den Austausch von Informationen wichtige Erkenntnisse für die Zukunft. Durch die deutlich verbreitete Datenbasis könnten am Ende der jeweiligen Projekte exaktere und zielführendere Aussagen über den Einsatz und die Realisierung von Elektromobilität im ländlichen Raum getroffen werden.


EMORAIL
„eMORAIL“ ist ein Projekt der Österreichischen Bundesbahn. Es soll ein Service entwickelt werden, mit dem Bahnreisende bequem von öffentlichen Verkehrsmitteln in Elektrofahrzeuge umsteigen können. Derzeit wird in zwei ländlichen Regionen eine „integrierte Verkehrsdienstleistung“ getestet, die das Bahn und E-Auto miteinander verbindet. Zudem wird in Wien und in Graz ein eCarsharing-Angebot getestet. - vbb

Landräte: Projekt E-Wald gerettet

Passauer Neue Presse am 02.Mai 2012

Das Prestigeprojekt E-Wald ist gerettet − das versicherten die niederbayerischen Landräte um Deggendorfs Christian Bernreiter bei ihrem Treffen am Mittwoch in Hauzenberg (Lkr. Passau). Die Gemeinden sollen sich in der Rechtsform einer GmbH an dem Projekt beteiligen. Zuvor hatte es einen heftigen Disput über die Finanzierung gegeben. Klaus Mairhöfer, Projektleiter von E-Wald, hatte vor dem Aus gewarnt.

Eine der Schwierigkeiten war, dass einige der Gemeinden sich nicht an einer angedachten Rechtsform AG beteiligen wollten.

Die Modellregion Elektromobilität Bayerischer Wald, kurz E-Wald genannt, ist ein Forschungsprojekt für ein Transportsystem auf Basis von Elektrofahrzeugen. "Wir wollen das Projekt, wir brauchen das Projekt", sagte am Mittwochnachmittag Passaus Landrat Franz Meyer. "Es bedeutet eine Stärkung des ländlichen Raumes."

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